Regression zur Mitte

Die Regression zum Mittelwert ist bei Immobilien und in der Finanzwirtschaft ein bekanntes Phänomen, wird jedoch oft vernachlässigt oder falsch verstanden. Sie bezeichnet die Tatsache, dass Wertanlagen nach Übertreibungen und Unterbewertungen des Marktes zu einem mittleren Renditezuwachs zurückkehren. Für die Ausschläge nach oben und unten kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Jeder Anleger sollte wissen, was es mit der Regression zur Mitte auf sich hat.

Hoch und runter zu neuen Höchstständen

Jeder Leistungssportler kennt das Phänomen, dass er in der Vorbereitungsphase auf einen Wettkampf Höhen und Tiefs erlebt. Nach intensivem Training erfolgt ein Leistungssprung, doch dann stellen sich Rückschläge und Formtiefs ein. Die persönlichen Bestwerte vorangegangener Trainingseinheiten werden nicht mehr erreicht. Ein guter Coach kennt diesen Effekt und kann seinen Schützling darauf einstellen. Ein dynamischer Trainingsplan hilft dabei, dass der Sportler zum Zeitpunkt des Events seine Top-Form erreicht.

Ängste und Hoffnungen des Marktes

Ähnlich verhält es sich am Markt. Die Marktteilnehmer versuchen zu erkennen, welche Perspektive eine Anlage bietet und ob sich der Kauf für sie rentiert. Oftmals jedoch liegen die für eine realistische und umfassende Bewertung einer Anlage notwendigen Informationen nicht vor. Diese Wissenslücke führt zu Unsicherheiten. Ergebnis sind übertriebene Phantasien oder auf Gerüchten basierende Ängste. Auch kühle Marktbeobachter können mit dem Instrument der technischen und fundamentalen Analyse keine sichere Aussage zur voraussichtlichen Entwicklung einer Anlage machen. Erst wenn relevante Daten vorliegen, stellt sich der reale Marktwert eines Wertpapiers ein.

Regression zur Mitte und die Bedeutung des Zeitfensters

Das Einpendeln auf einen Mittelwert lässt sich sowohl über kurze als auch über lange Zeiträume beobachten. So kann eine Aktie am Anfang einer Handelswoche nachgefragt sein und eine starke Aufwärtsbewegung zeigen, in der Wochenmitte aufgrund schlechter Unternehmensnachrichten abverkauft werden und zum Wochenausklang wieder im Kurs steigen. Im Verlauf der Woche hat die Aktie oft einen Renditezuwachs erlebt, der im Durchschnitt der vorangegangenen Wochen liegt. Je länger der Betrachtungszeitraum gewählt wird, desto zuverlässiger kann von einem Renditezuwachs ausgegangen werden.

Anlagezeitraum für Aktien

Ereignisse wie die Dotcom-Blase im Jahr 2000 oder die Finanzkrise 2008 können Aktien und Indizes über Monate oder sogar Jahre in einen Abwärtsstrudel ziehen. Wenn die von Anlegern erwartete Regression zur Mitte über Wochen oder Monate ausbleibt, stellen sich oft Panikverkäufe mit entsprechenden Kapitalverlusten ein. Eine probate Strategie dagegen ist die Diversifizierung, die andere liegt in einer langfristigen Anlage von mindestens fünf Jahren. Die historische Auswertung von Indizes lässt erkennen, dass bei Wertpapieren ein Anlagezeitraum von mindestens 5 Jahren für die Erzielung einer durchschnittlich zu erwartenden Rendite erforderlich ist.

Immobilien brauchen eine ruhige Hand

Der Wert von Immobilien wird durch zahlreiche wirtschaftliche, kommunale und politische Faktoren beeinflusst. Übertreibungen und Krisen am Immobilienmarkt verlaufen über längere Zeiträume als im Wertpapierhandel. Daher wirkt bei Immobilien frühestens nach 10 Jahren das Gesetz der Regression zur Mitte. Auch bei Grundstücken und Immobilien spielt daneben die Diversifizierung eine bedeutende Rolle, sodass eine Streuung der Beteiligungen das Risiko eines Wertverlustes weiter vermindert.

Gleitender Durchschnitt in fallenden Märkten

Es wurden unterschiedliche wissenschaftliche Simulationen am Schweizer Aktienmarkt durchgeführt. Wenn der gleitende Durchschnitt unterhalb des aktuellen Kurses sank, wurde verkauft und wenn der aktuelle Kurs sich dem gleitende Durchschnitt wieder näherte, wurde gekauft. Mit dieser Strategie wurde versucht, nicht in den fallenden Märkte investiert zu sein aber bei steigenden Kursen zu partizipieren.

Das Ergebnis war ernüchternd. 7,8 % p.a. ohne Verkäufe und 5,8% p.a. mit Verkäufen.

Diese Strategie ist anscheinend dem doch so einfachen Buy & Hold nicht überlegen und führt dich damit auch nicht schneller in die finanzielle Unabhängigkeit. Der Ansatz verhindert zwar die schlimmsten Abstürze, kann aber die höhsten Zuwächse / Chancen allerdings nicht voll ausschöpfen. Weniger Volatilität aber geringere Rendite!

Bis jetzt wurde noch kein bessere Strategie (wissenschaftlich nachweisbar) gefunden als die Buy & Hold beim passiven Investieren.