Rückabwicklung von Lebensversicherungen

Die Rückabwicklung von Lebensversicherungen erschüttert die Finanzdienstleistungsbranche. Die Versicherer müssen sich den Urteilen der Gerichte beugen und sehen dabei gar nicht gut aus. Aber schauen wir uns das doch genauer an.

Was ist eine Rückabwicklung überhaupt?

Es betrifft alle abgeschlossenen Lebens- und Rentenversicherungen von 1995 bis 2007. Bei diesen Verträgen gibt es eventuelle Fehler der Widerrufsbelehrung. Dieses betrifft eventuell nicht alle Gesellschaften aber doch wohl einige.

Wenn die Widerrufsbelehrung nun tatsächlich falsch wäre, wäre der Vertrag nie zustande gekommen. Dann wäre auch die übliche Verzinsung nicht angemessen sondern die Versicherungsgesellschaften müssten Dein Kapital mit der Eigenkapitalrendite verzinsen (dies nennt man Nutzungsentschädigung).

Die Eigenkapitalrenditen der Versicherer waren in der Vergangenheit doch recht hoch. So ergeben sich teilweise recht hohe Nutzungsentschädigungen. Zum Vorteil für den Verbraucher.

Wie ist der Ablauf bei einer Rückabwicklung von Lebensversicherungen?

Der Ablauf ist in wenige Schritte zu unterteilen.

1.) Unterlagen zusammensuchen oder bei Versicherungsgesellschaft anfordern

2.) Versicherung beitragsfrei stellen

3.) Kündigung des Vertrages sinnvoll

4.) Widerruf des Vertrages

5.) Gegebenenfalls wird die Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung angefordert

5.) Einigung mit Versicherer oder Gerichtsverfahren

Wer bietet die Rückabwicklung an?

Rechtsdienstleistungen ist eine juristische Dienstleistung. Eine einfache Prüfung des Sachverhaltes wäre beispielsweise eine Rechtsdienstleistung. Diese darf durch einen Rechtsanwalt oder einen Rechtsdienstleister erbracht werden. Ich bin auf diesem Themengebiet kein Experte, deshalb verlinke ich hier zu Wikipedia. 🙂

Warum wettern die Rechtsanwälte gegen Dienstleister?

Die Dienstleister, die eine Rückabwicklung von Lebensversicherungen anbieten, werden von Rechtsanwälten häufig kritisiert. In der Regel ist dies ein reiner Interessenkonflikt. Die Rechtsanwälte sind meistens nicht auf das Thema spezialisiert und haben schon ein Problem wenn es um die Berechnung der Eigenkapitalrendite der Versicherer geht. Hierfür wird ein freier Gutachter benötigt, der die Nutzungsentschädigung berechnen kann. Hinzu kommt noch das die Dienstleister mit Kanzleien zusammen arbeiten, die nicht nur die Widerrufsbelehrung prüfen sonder überdies noch die Verbraucherinformationen, den Antrag und sämtliche Nebenbedingungen.

Zudem dann kein Rechtsanwalt das Prozesskostenrisiko übernehmen. Oder wollen es nicht. .-)  Für die Dienstleister ist die Übernahme des Prozesskostenrisikos völlig normal und gleichzeitig der größte Vorteil des Verbrauchers. Dieses schlagende Argument der Dienstleister ist natürlich eher unangenehm für die Rechtsanwälte. Größte Kritik an den Dienstleistern ist, dass sie einen Anteil an dem erwirtschaften Mehrwert für sich beanspruchen. Und diese ist auch berechtigt, schließlich lassen sich die Dienstleister dieses Risiko königlich vergüten.

Allerdings gibt ein Kollege von mir immer zu bedenken, sobald mehr aus der Rückabwicklung ausgezahlt wird als durch eine normale Kündigung, ist das durchaus berechtigt. Der Kunde trägt dadurch nicht das Prozesskostenrisiko und riskiert lediglich sein Gebühren.

Die Gebühren

Die Kosten sind von Anbieter zu Anbieter und auch bei den Rechtsanwälten unterschiedlich. Bei einigen Anbietern gibt es eine kostenlose Ersteinschätzung. Gebühren fallen nur bei Umsetzung an. Viele Dienstleister als auch Rechtsanwälte lassen sich die Beurteilung bereits bezahlen. Meiner Erfahrung nach, ging es hier bei 49€ pro Vertrag los.

Die Gebühren bemessen sich bei den Rechtsanwälten und Dienstleistern nach dem Streitwert.

Ich arbeite mit einem Dienstleister zusammen bei dem die niedrigste Gebühr 295€ beträgt und sich bis 995€ staffelt. Allerdings hat der Verbraucher bei den 995€ auch eine reelle Chance mehr als 50.000€ zusätzlich zu seinem Rückkaufswert zu erhalten. Die Gebühr wird im Erfolgsfall erstattet so, weil der Dienstleister seine Kosten decken kann und einen Gewinn erwirtschaftet.

Meine Erfahrungen

Seit nun einem Jahr arbeite ich mit einem sehr serviceorientierten Dienstleister zusammen. Da eine Rückabwicklung in der Regel zwischen 12 und 24 Monaten dauert, habe ich noch keine endgültige Erfolgsmeldung zu verzeichnen. 60 Vorgängen habe ich momentan in der Bearbeitung. Ich werde an dieser Stelle berichten und die Ergebnisse vorstellen.

Insgesamt wurden allerdings schon über 4.000 außergerichtliche und gerichtliche Vergleiche geschlossen. Somit hat der Dienstleister sehr wohl Erfolge zu feiern. Mit einigen Gesellschaften bestehen mittlerweile pauschale Entschädigungen damit hier nicht noch unnötig und zusätzlich Kosten entstehen.

Welche Unterlagen benötige ich für eine Rückabwicklung?

Vorweg: Jeder Dienstleister oder Rechtsanwalt fordert andere Unterlagen an. Umso genauer und ausführlicher geprüft wird, umso mehr Unterlagen werden benötigt. Sollte jemand nur den Versicherungsschein benötigen, kann die Prüfung nicht wirklich umfassend sein. Hier findest Du eine Liste mit den empfohlenen Unterlagen, die vorhanden sein sollten oder organisiert werden sollten:

  • Versicherungsschein
  • Anschreiben zum Versicherungsschein
  • Versicherungsbedingungen inkl. der Verbraucherinformationen
  • Kopie des Antrags bei Antragsstellung ggf. bei Versicherer anfragen
  • den Beitragsverlauf (Auflistung Deiner monatlichen Zahlungen von Beginn des Vertrages)
  • Fragebogen (meistens wird ein Fragebogen gestellt, der ausgefüllt werden muss)
  • Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und Vertrag über die kostenlose Ersteinschätzung)
  • wenn vorhanden Kopie der Rechtsschutzversicherung inkl. Bedingungen

Wenn die Unterlagen komplett sind, sollte sich recht zügig eine Beurteilung Deines Versicherungsvertrages ergeben. Gerade weil die Dienstleister sehr unterschiedlich sind, kam es schon häufiger vor, dass Anwälte und Dienstleister zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Sehr interessant!

Henning Grothkop HonorarberatungHenning Grothkop ist unabhängiger Finanzberater auf Honorarbasis in Darmstadt und berät vermögende Kunden in Darmstadt. Die Honorarberatung ermöglicht Kunden eine faire, unabhängige und transparente Beratung.