Selbstständigkeit: Vom Konzept bis zur tatsächlichen Gründung

Wer mit einer Existenzgründung liebäugelt, sollte diese zuvor intensiv planen. Das umfasst mehrere Aspekte: Erstens sollten Interessierte grundsätzlich überlegen, ob sich für sie eine Existenzgründung eignet. Feste Arbeitszeiten und ein sicheres Einkommen gehören für Selbstständige der Vergangenheit an. Zweitens sollten sie ein inhaltliches und organisatorisches Konzept erarbeiten.

Die Gründungsidee und das Geschäftskonzept

Viele Menschen haben eine attraktiv wirkende Geschäftsidee. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Ideen ein Unternehmen wirtschaftlich tragen. Gründer dürfen es deshalb nicht bei einer Idee belassen, sie müssen sich systematisch mit den Chancen und Risiken befassen. So sollten sie analysieren, inwieweit nach den Produkten oder Dienstleistungen eine Nachfrage besteht und wie die Konkurrenzsituation vor Ort aussieht. Wichtig ist es zudem, sich von Konkurrenten mit Alleinstellungsmerkmalen zu unterscheiden. Dabei kann es sich um günstige Preise, eine hohe Qualität, ein einzigartiges Angebot oder einen besonderen Kundenservice handeln. Mit einem Geschäftskonzept konkretisieren Gründer die Idee, sie beschäftigen sich mit allen Facetten wie Art des Angebots, des Vertriebs und des Marketings.

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Die Organisation des Unternehmens

Gründer sollten vorab organisatorische Fragen zählen. Dazu gehört die Frage, in welcher Rechtsform sie ihrer selbstständigen Tätigkeit nachgehen wollen. Im ersten Schritt müssen sie prüfen, ob ihr Berufsfeld zu den freien Berufen oder zu den Gewerbetreibenden zählt. Freiberufler arbeiten unter anderem als Grafiker, Publizisten, Wissenschaftler und Heilpraktiker. Gehören Gründer zur Gruppe der Freiberufler, können sie ihre Rechtsform aus mehreren Varianten wählen. Existenzgründer entscheiden sich meist für eine der folgenden Unternehmensformen:

– Einzelunternehmer: Unternehmer haften mit dem persönlichen Vermögen, auf den Gewinn fällt der individuelle Steuersatz der Einkommenssteuer an.
– GmbH: Gründer führen der GmbH ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro zu. Darüber hinaus bestehen keine finanziellen Verpflichtungen. Bei einer Insolvenz bleibt das persönliche Vermögen verschont.
– Unternehmergesellschaft: Dabei handelt es sich um eine Variante der GmbH, das erforderliche Stammkapital beträgt nur 1 Euro. Dafür müssen Gründer in der Folge mindestens 25 % des Jahresüberschusses in die Rücklage einstellen, bis sie 25.000 Euro erreicht haben.

Der Nachteil des Einzelunternehmers besteht in der persönlichen Haftung. Im schlimmsten Fall führt die selbstständige Tätigkeit zur Privatinsolvenz. Die beschränkte Haftung spricht für die GmbH oder die Unternehmergesellschaft: Gründer sollten aber bedenken, dass diese Rechtsformen mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand einhergehen.

Der Businessplan als Basis

Die Grundlage jeder Gründung sollte ein professionell ausgearbeiteter Businessplan sein. In ihm halten Gründer das detaillierte Geschäftskonzept sowie die finanzielle Planung fest. Ein Businessplan empfiehlt sich aus zwei Gründen: Erstens setzen sich die künftigen Selbstständigen beim Formulieren intensiv mit der Thematik auseinander und entdecken eventuelle Mängel. Zweitens verlangen Banken, Investoren und Förderstellen einen Businessplan, auf dieser Grundlage entscheiden sie über die Geldvergabe. Ein Businessplan besteht aus zwei Teilen:

– Im ersten Teil beschreiben die Autoren die Geschäftsidee und dessen Verwirklichung.
– Der zweite Teil enthält eine detaillierte Finanzplanung für mehrere Jahre. Die Ausgaben und die Einnahmen sollten Gründer nachvollziehbar schätzen.

Fremdkapital beschaffen und fachliche Unterstützung erhalten

Ohne Fremdkapital können die meisten kein eigenes Unternehmen gründen. Zuerst sollten Gründer prüfen, ob sie Anspruch auf Fördermittel beziehungsweise Förderkredite haben. Vor allem die öffentlich-rechtliche KfW-Bank ist zu nennen, sie zeichnet sich durch eine liberale Kreditvergabe und preiswerte Konditionen aus. Es kommt zum Beispiel der ERP-Gründerkredit – StartGeld infrage, mit dem sich bis zu einer Summe von 100.000 Euro 100 % der Investitionen und Betriebsmittel finanzieren lassen. Die Antragsstellung erfolgt bei der Hausbank, diese entscheidet über die Kreditvergabe. Die KfW-Bank stellt sie aber weitgehend von der Haftung frei, sodass die Banken viel eher als bei eigenen Krediten zustimmen. Eine weitere oder ergänzende Möglichkeit ist ein normaler Unternehmenskredit bei einer Bank. Sollten beide Optionen aufgrund eines erhöhten Risikos nicht realisierbar sein, können Gründer nach Investoren Ausschau halten. Die sogenannten Business Angels, ein Netzwerk aus institutionellen und privaten Investoren, beteiligt sich beispielsweise gezielt an vielversprechenden Start-ups mit höherem Risiko, aber auch höheren Renditechancen.

Existenzgründung gut vorbereiten

Der Erfolg einer Gründung hängt entscheidend von der Qualität der Planung ab. Gravierende Fehler lassen sich später oftmals nicht mehr ausbügeln. Gründer sollten deshalb viel Zeit in die Vorbereitung investieren und fachliche in Anspruch nehmen. Die KfW-Bank fördert ein Gründercoaching finanziell: Wer einen Gründungsberater aus der KfW-Datenbank wählt, erhält bis zu einem Betrag von 4.000 Euro 50 bis 75 % der Kosten ersetzt.