Wie du mit ETFs fürs Alter vorsorgst

Unsere Gesellschaft ist durch einen demografischen Wandel gekennzeichnet: Es gibt immer weniger junge Leute, denen immer mehr Rentner gegenüberstehen, die zudem immer älter werden.

Darunter leidet die gesetzliche Rentenversicherung (GRV): Das Umlagesystem – die Jungen zahlen die Renten für die Alten (Generationenvertrag) – kann so auf Dauer nicht funktionieren.

Demzufolge muss die GRV durch Steuermittel gestützt werden: Bis zum Jahr 2020 wird der Zuschuss des Bundes zur Rentenversicherung über die Marke von 100 Milliarden Euro steigen. Die Berechnung des Bundesfinanzministeriums beruht dabei auf dem aktuellen Rentenniveau und den geltenden Beitragssätzen in die GRV.

Die Rentenreform der Rot-Grünen Koalition

Die letzte Rentenreform stammte von Rot-Grün aus dem Jahre 2001. In dieser Reform wurde festgelegt, dass das gesetzliche Rentenniveau im Zeitablauf sinkt und die Bürger zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat fürs Alter vorsorgen sollten.

Das bedeutet: Die gesetzliche Rente garantiert nicht mehr den Lebensstandard im Alter, sondern nur noch eine Grundrente, die um private Altersvorsorge zu ergänzen ist.

Dafür wurde die Riester-Rente geschaffen, die sowohl eine staatliche Förderung als auch Steuererleichterungen durch einen Sonderausgabenabzug bietet.

Im Zuge dieser Rentenreform wird das Rentenniveau von heute knapp 48 Prozent auf nur noch ca. 43 Prozent im Jahre 2030 sinken.

Als Folge dieser rot-grünen Rentenreform droht vielen Arbeitnehmern im Rentenalter Altersarmut:

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird in 20 Jahren jeder 5. Rentner nicht mehr genug zum Leben haben.

Altersarmut durch sinkendes Rentenniveau

Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien, die

  • zuhause geblieben sind und Kinder erzogen haben,
  • über längere Zeit krank waren,
  • öfter arbeitslos waren oder
  • zu Niedriglöhnen tätig waren,

können in Zukunft meist nur niedrige Renten erwarten.

Das bedeutet, dass sie ergänzend zu ihrer gesetzlichen Rente noch Grundsicherung beantragen müssen. Dabei ist Grundsicherung sozusagen die Sozialhilfe für Rentner.

Deshalb gilt: Wer nicht von Altersarmut betroffen sein will, muss heute privat vorsorgen.

Private Altersvorsorge kann vor Altersarmut schützen und für einen ausreichenden Lebensstandard im Alter sorgen, den die gesetzliche Rente nicht mehr länger gewährleistet.

Doch dazu muss man erst einmal seine Rentenlücke kennen.

Wie man seine Rentenlücke ermittelt

Verbraucherverbände empfehlen, im Rentenalter etwa 80 Prozent vom letzten Netto als Rente zur Verfügung zu haben.

80 Prozent werden i. d. R. deshalb reichen, weil Haus oder Wohnung in der Regel abbezahlt sind und u. a. keine teure Business-Garderobe mehr notwendig ist. Auch entfallen Kosten für den Weg zur Arbeit und wieder zurück.

Wenn die gesetzliche Rente ab 2030 bei ca. 43 Prozent liegt, fehlen zu 80 Prozent allerdings exakt 37 Prozent. So hoch ist die Rentenlücke.

Dazu ein Beispiel:

Wenn jemand einen Nettolohn von 3.000 EUR pro Monat hat, dann sind 80 Prozent davon 2.400 EUR. Das wäre der Bedarf ohne Berücksichtigung der Inflation.

An gesetzlicher Rente hätte er ungefähr 1.290 EUR zu erwarten, was 43 Prozent von 3.000 EUR entspricht.

Die Rentenlücke läge in diesem Beispiel bei 2.400 EUR (Bedarf) ./. 1.290 EUR (voraussichtliche gesetzliche Rente), also bei 1.110 EUR pro Monat.

Diese Rentenlücke von 1.110 EUR pro Monat müsste durch private Altersvorsorge abgedeckt werden.

Dabei ist allerdings noch der Faktor Inflation zu berücksichtigen:

In 30 Jahren läge der monatliche Bedarf bei einer angenommenen Inflation von jährlich 2 Prozent (Zielkorridor der EZB) bei rund 2.010,61 EUR pro Monat.

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 83 Jahren für Männern und 86 Jahren für Frauen ergäbe sich folgender Finanzbedarf:

Lebenserwartung Rentenjahre Monate/Jahr Monatsbedarf Kapitalbedarf
Männer 83 16 12 2.011 386.112 €
Frauen 86 19 12 2.011 458.508 €

 

Dies ist die zumindest näherungsweise Berechnung des Kapitalbedarfs, den man in diesem Beispiel im Laufe eines Erwerbslebens ansparen müsste, um im Rentenalter eine private Zusatzrente von 2.011 EUR pro Monat (= 1.110 EUR pro Monat nach heutiger Kaufkraft) zur Verfügung zu haben.

Zwar sind diese Zahlen noch nicht der Weisheit letzter Schluss – denn es gibt ja auch Menschen, die 100 Jahre alt oder sogar noch älter werden –  doch wollen wir dies hier nicht vertiefen. Jedenfalls gibt es auch dafür Lösungen. Zum Beispiel eine sofort beginnende Rentenversicherung, in die man mit 67 Jahren sein angespartes Kapital einzahlt oder ein vermietetes Mehrfamilienhaus, um nur zwei Möglichkeiten zu nennen.

Um das im obigen Beispiel genannte Alterskapital anzusparen, gibt es verschiedene Wege. Dabei orientiere ich mich im Folgenden am sogenannten Schichtenmodell der Altersvorsorge.

Schichtenmodell der Altersvorsorge

Früher gab es drei Säulen der Altersvorsorge, und zwar die

  • gesetzliche Altersvorsorge,
  • die betriebliche Altersvorsorge und die
  • private Altersvorsorge.

Doch mittlerweile ist das System der Altersvorsorge in Deutschland zunehmend auf die Folgen des demografischen Wandels und an die damit einhergehende Rentenlücke angepasst worden.

Der Gesetzgeber hat im Jahr 2005 das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) eingeführt, mit dem die Riester- und die Basis-Rente teilweise durch staatliche Zulagen und / oder steuerliche Förderung attraktiver wurden.

Vor diesem Hintergrund entstand das Schichtenmodell der Altersvorsorge.

Bei den drei Schichten der Altersvorsorge können

  • Basisversorgung (Schicht 1),
  • kapitalgedeckte Zusatzversorgung (Schicht 2) und
  • Kapitalanlageprodukte (Schicht 3)

unterschieden werden.

Zu Schicht 1 gehört u. a. die Basis- oder Rürup-Rente, deren Beiträge im Rahmen des Sonderausgabenabzugs von der Steuer absetzbar sind, wodurch eine erhebliche Steuerersparnis möglich ist.

Diese Form der privaten Altersvorsorge richtet sich hauptsächlich an Selbständige, die keine Ansprüche an die GRV oder berufsständische Versorgungswerke haben.

Zu Schicht 2 gehört sowohl die Riester-Rente als auch die Direktversicherung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge.

Diese Schicht richtet sich vornehmlich an Angestellte und Beamte, die zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine private bzw. betriebliche Altersvorsorge aufbauen.

Beide Vertragsformen werden bis zu bestimmten Grenzen steuerlich gefördert, wobei die Besteuerung später nachgelagert stattfindet. Und das gilt auch für die Basis- bzw. Rürup-Rente.

Und zu Schicht 3 gehören u. a. Kapitalanlageprodukte wie beispielsweise private Rentenversicherungen, deren Erträge durch den Versicherungsmantel in der Ansparphase abgeltungssteuerfrei sind und in der Rentenphase ebenfalls in Bezug auf ihren Ertragsanteil nachgelagert besteuert werden.

Ebenfalls zur Schicht 3 gehören auch ETF-Sparpläne, die zwar nicht steuerlich gefördert werden, aber eine interessante Rendite generieren, weil sie von keinerlei Garantien belastet sind, wie zum Beispiel die Riester-Rente.

Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, welche Geldanlageinstrumente für diese Formen der Altersvorsorge in Betracht kommen?

Für die Riester-Rente zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Vertragsformen, angefangen bei der privaten Rentenversicherung, über den Wohnriester bis zu ETF-basierten Lösungen, um nur einige zu nennen.

Dabei sind ETFs (für Exchange Trading Funds), also börsengehandelte Indexfonds, besonders empfehlenswert.

An Aktien führt derzeit kein Weg vorbei

Bedingt durch den aktuellen Niedrigzins sind die Zinsen auf Guthaben aktuell quasi abgeschafft.

Wer heute eine ordentliche Rendite erzielen möchte, kommt deshalb an Aktien bzw. Aktien-Fonds nicht vorbei.

Doch sind Einzelwerte für Privatanleger eher weniger empfehlenswert – siehe u. a. die Beispiele VW (Dieselgate) oder Deutsche Bank (Missmanagement und zahlreiche teure Rechtsstreite) – wie aktiv gemanagte Fonds.

Das sind Fonds mit einem Fondsmanager, der seine Benchmark stets schlagen möchte, doch dies nur in Ausnahmefällen mehrere Jahre hintereinander schafft.

Über 80 Prozent der aktiv gemangten Fonds schaffen es nach Kosten nicht, ihre Benchmark (Vergleichsindex) dauerhaft zu schlagen.

Stattdessen heißt es oft: Außer Spesen nichts gewesen.

Und Einzelwerte sind zu arbeitsaufwendig, um sich stets über aktuelle Entwicklungen der jeweiligen Unternehmen auf dem Laufenden zu halten.

Hinzu kommt, dass es weitaus schwieriger ist, mit Einzelwerten – bei gegebenem Budget – eine vernünftige Risikostreuung (Diversifikation) hinzubekommen.

Das ist jedoch mit Indexfonds (ETFs) weitaus einfacher. Aber das sind noch längst nicht alle ihre Vorteile.

Deshalb sind vor allem ETFs besonders empfehlenswert.

Private Altersvorsorge mit ETFs

ETFs bilden jeweils einen bestimmten Börsenindex Eins zu Eins nach, wie zum Beispiel den Dax mit exakt 30 Werten oder den MSCI World Index mit ca. 1.650 verschiedenen Aktien aus 23 Industrieländern.

Da leuchtet es ein, dass man bei einem Indexfonds von vornherein eine sehr gute Risikostreuung hat.

Dabei gibt es ETFs für alle gängigen Anlageklassen:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe
  • Währungen
  • Geldmarkt

Laut moderner Portfoliotheorie basiert die Rendite eines Portfolios zu 90 Prozent auf der Verteilung eines Investments auf verschiedene Anlageklassen und nur zu etwa 10 Prozent auf der Auswahl konkreter Wertpapiere innerhalb dieser.

Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse der Portfoliotheorie, für die Harry M. Markowitz 1990 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt.

ETFs sind einfach, transparent und flexibel und zudem extrem kostengünstig im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds.

Während letztere im Schnitt 1,85 Prozent an jährlichen Verwaltungsgebühren kosten, liegen ETFs gerade mal bei durchschnittlich 0,37 Prozent.

Wichtig: Während man als Anleger auf die Rendite seiner Investments in der Regel keinen Einfluss hat, hat man diesen sehr wohl im Hinblick auf die Kosten:

Ein Kostenunterschied von über einem Prozent macht aufgrund des Zinseszinseffektes über eine Laufzeit von 20, 30 oder sogar 40 Jahren schnell einen fünf- bis sechsstelligen Unterschiedsbetrag aus.

Nicht umsonst hat Albert Einstein den Zinseszinseffekt als die größte Entdeckung der Mathematik bezeichnet.

Private Altersvorsorge mit Nettotarifen

Für alle Bausteine der betrieblichen und privaten Vorsorge gemäß dem Schichtenmodell gibt es ETF-basierte Lösungen in Form von Nettotarifen.

Ein Nettotarif enthält keine Abschlusskosten und niedrige Effektivkosten und ist nur über Honorarberater zugänglich.

Und die niedrigeren Kosten führen i. d. R. zu höheren Ablaufleistungen bzw. Renten.

Zwar fällt ein Beratungshonorar für den Abschluss von Nettotarifen an, doch bringen diese in der Regel eine Kostenersparnis von mehreren Tausend Euro mit sich (abhängig von Beitrag, Laufzeit und Zinshöhe), so dass sich das Beratungshonorar allemal lohnt.

Folgende Tabelle verdeutlicht diese Ersparnis:

Beispiel: Bei 0,35% Differenz in der Effektivkostenquote
Ersparnis bei 30 Jahren Laufzeit und 6% Bruttozins
Monatsbeitrag Ersparnis
50€ 2.565,93 €
100€ 5.131,86 €
200€ 10.263,72 €
300€ 15.395,58 €
usw. usw.

An diesen Zahlen kann man erkennen, dass die Ersparnis durch die niedrigeren Effektivkosten bei Nettotarifen enorm sein kann.

Warum ETFs vorteilhaft sind

ETFs sind kostengünstiger und haben sozusagen eine eingebaute Risikostreuung, weil sie stets einen ganzen Markt (Index) abbilden.

Zudem sind sie einfach, transparent und flexibel. Und damit sowohl für Investmentanfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet.

Zwar zielt man mit einem ETF von vornherein nur auf den Durchschnitt, doch auf den Durchschnitt zu setzen führt in diesem Fall sehr häufig dazu, über dem Durchschnitt aller Anleger zu landen.

Und zwar durch die niedrigen Kosten eines börsengehandelten Indexfonds, der im Durchschnitt nur 0,37 Prozent an Verwaltungsgebühr p. a. kostet.

Ausgabeaufschläge – wie bei aktiv gemanagten Fonds üblich oder eine Erfolgsbeteiligung (Performance Fee) –  fallen bei ETFs schlicht und ergreifend nicht an.

Deshalb sind sie der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

Sie breiten sich beim Neugeschäft immer stärker aus und verdrängen zunehmend klassische Investmentfonds.

Auch in den Banken, die in der Vergangenheit nicht gerne ETFs verkauften, weil sie nur wenig daran verdienen, findet langsam ein Umdenken statt:

Beispielsweise weist die Targobank in einem aktuellen Fernsehspot darauf hin, dass sie ihre Kunden auch im Hinblick auf ETFs berät.

Also denk dran:

ETFs sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

Und je eher du anfängst, desto weniger musst du jeden Monat sparen.

Dr Jürgen Nawatzki

Der Autor

Dr. Jürgen Nawatzki ist Diplom-Kaufmann und war früher Finanzberater bei MLP, bevor er seine Liebe zum Schreiben entdeckte. Inzwischen ist er zusätzlich ausgebildeter Journalist und betreibt den Finanzblog ETF-Blog.com, in dem es  um Vermögensbildung und den Aufbau einer privaten Altersvorsorge mit ETFs geht. Seine Mission: Die Generation Y dazu zu motivieren, etwas fürs Alter zurückzulegen.